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Interview mit Bart Bellon zu seinem Trainingssystem


Wie bist Du zum Hundesport gekommen ?

Ich bin in Afrika groß geworden und dort mussten wir unser Grundstück an allen vier Seiten von Hunden bewachen lassen. Ich war der einzige Sohn, der sich für die Hunde interessierte, d.h. ich wollte den Hunden immer Zirkustricks beibringen. 1974 bin ich im Alter von 14 Jahren nach Belgien gekommen. Dort hatten wir einen Nachbarn, einen Bauern, der im Belgischen Ringsport aktiv war. So bin ich durch meinen Nachbarn, den Bauern, zum Hundesport gekommen. Dort suchten sie einen Helfer, einen gesunden dummen Jungen, der keine Fragen stellt. Das war ich.

Welche Erfolge hattest Du bis jetzt mit Deinen Hunden?

Anfangs hatte ich kaum ein Interesse daran, Prüfungen zu führen. Erst sehr spät habe ich damit angefangen - so in den Jahren 1986-1987, obwohl ich schon seit 1974 aktiv war. 1992 wurde ich Belgischer Meister mit einem Malinois-Schäferhund Mischling. Das 2. Mal wurde ich Belgischer Meister im Jahre 2002 mit meinem aktuellen Hund Zodt.

Wann beginnst Du das Training mit Deinen jungen Hunden ?

Ich beginne mit dem Training sofort, wenn ich den Hund bekommen habe. Und zwar beginne ich mit Aufmerksamkeit forderndes Training, d.h. der Hund muss lernen, dass nur bekommt was er will, wenn er aktiv etwas tut. Ich benutze anfangs sehr viel den Futtertrieb und zwischendurch auch Beutespiele, da sowohl in Euren Sport, als auch in meinem Sport, der Beutetrieb sehr wichtig ist. Wenn der Hund Trieb auf Beute und auch auf Futter hat, macht die Ausbildung Spaß. Wenn keiner von beiden vorhanden ist, geht die Ausbildung nur über den Wehrbereich. Das macht keinen Spaß, und dass kann auch nicht jeder. Es gibt nur sehr wenige Leute, die im Wehrbereich arbeiten können. Man könnte sagen, ich benutzte bei meinen jungen Hunden das gleiche System, das meine Mama anwandte, als ich 17 oder 18 Jahre alt war. Wenn ich in die Disco gehen wollte, musste ich auch immer vorher den Rasen mähen, um Geld zu verdienen damit ich dort hingehen konnte. Ich habe eigentlich erst in den letzten 5 Jahren gelernt, dass der Hund nur darum arbeitet, weil er etwas haben oder erreichen möchte. Vorher habe ich gedacht, die Hunde machen es für mich. Aber so ist es nicht, sie machen es nur, um etwas von uns zu bekommen, um ihre Position zu verbessern.

Was sind die Grundlagen der Ausbildungsmethoden, die Du praktizierst ?

Sehr wichtig ist für mich, dass der Hund seine Übungen gerne macht. Die Übungsentwicklung muss ihm schon Spaß machen. Die Einstellung des Hundes auf die einzelne Übung ist wichtig. Die Basisausbildung, die ich betreibe, beruht auf den „Bleib-Übungen“. Das sind für mich „Sitz“, „Steh“ und „Platz“. Wenn ich rufe, muss mein Hund kommen und Fußgehen. Das sind für mich die Grundübungen. Eine weitere sehr wichtige Komponente ist, der Hund muss unbedingt „Trieb machen“ auf lebendige und auch auf tote Beute. Bei mir muß ein Hund nach der Zahnung zeigen, dass er die Beute gerne verfolgt - sie jagt. Aber auch bei der „toten“ Beute, wenn ich z.B. den Ball werfe und er sich nicht mehr bewegt, dann muss mein Hund genauso schnell zu ihm laufen, als wenn er noch in Bewegung wäre. Der Topsport basiert eigentlich auf dem Trieb auf tote Beute, z.B, voraus oder auch das Revieren entsteht aus dem Trieb auf tote Beute. Oder auch die Versteckarbeit, da steht ein Helfer wie tot und der Hund muss ihn länger als eine Minute drangvoll verbellen, da muss er schon Trieb auf tote Beute haben. Jeden Tag machen wir „Sitz-Steh-Platz“ aber immer in positiver Verstärkung, es muss Spaß machen. Dann bringe ich langsam den negativen Schlüssel mit hinein – Ja gehört dazu, aber Nein gehört auch dazu. Ich ignoriere es nicht, wenn der Hund nicht macht was ich will. Aber zuerst muss der Hund verstehen, was er machen soll. Wenn Hunde noch jung sind, sind sie sehr offen. Sie nehmen neue Sachen einfacher an. Von Anfang an tragen meine Hunde ein Beutehalsband und ein Einwirkungshalsband. Immer wenn ich mit dem Hund etwas mache, trägt er beide Halsbänder. Immer wenn ich sie anlege bekommen sie Futter oder einen Ball, sodass sie sie positiv verknüpfen. Erst wenn sie das Anlegen der Halsbänder positiv verknüpft haben, fange ich mit der Ausbildung an.

Du hat ein spezielles Trainingssystem für Hundeausbildung entwickelt. Was kannst Du uns dazu sagen ?

Erstens, ich habe es nicht entwickelt, es ist spontan gewachsen. Am Anfang macht man etwas aus dem Bauch heraus und hat auch Erfolg damit. Man weiß aber hinterher nicht mehr, wie man das gemacht hat. Bei dem nächsten Hund probierst Du es dann wieder und merkst, das es funktioniert. So entstehen Trainingstechniken. Viele Ideen von mir sind zufällig entstanden. Die Kunst ist nur diesen Zufall zu bemerken. Das System, dass ich heute anwende ist nicht mehr Zuckerbrot und Peitsche - ich mache vielmehr „Ne-Po“ (Negativ-Positiv). Zuckerbrot und Peitsche steht für positiv-negativ, für den Topsport funktioniert aber besser „Ne-Po“. Ich gebe z.B. eine minimale Einwirkung, die der Hund durch richtiges Verhalten ausschaltet. Das ist die erste Bestätigung. Dann kann man es noch extra mit dem Ball oder Futter verstärken. Um diese Dinge genau zu erklären, benötige ich 2 Tage. Davon handeln meine Seminare.....

Auf einem Deiner letzten Seminare hast Du ein Gerät vorgestellt, mit dem man einen Hund auch auf Entfernung bestätigen kann. Was kannst Du uns dazu sagen?

Erstens, das RRTS ist bereits seit 2 Jahren auf dem Markt und ich, der eigentlich überall herumkommt habe bis vor einem Monat noch nicht davon gehört..... Von so einem Gerät habe ich schon seit 10 Jahren geträumt. Ich wollte schon immer einen Hund genauso aus Entfernung bestätigen - und auch dem Hund die Bestätigung nicht geben können. Mit diesem Gerät kannst Du auf Entfernung einen Ball fallen lassen oder auch nicht, wenn der Hund nicht das verlangte Verhalten zeigt. Das ist ganz wichtig bei dem positiven Aufbau. Macht er die Übung, bestätige ich - macht er sie nicht, ignoriere ich es und bestätige nicht. Was mich auch wundert ist, dass es nicht ins Rollen kommt. Es ist logisch wenn man bedenkt, warum soll ich EUR 299,-- für ein Gerät bezahlen, wenn ich auch einen Ball für EUR 2,-- bekomme. Der große Unterschied bei diesem Gerät ist, es gibt den Ball nur heraus, wenn ich es will. Das ist genauso wie der Unterschied zwischen einer Schaufel und einem Bagger. Ich kann ein Loch mit viel Mühe mit der Schaufel graben oder ich sitze bequem und bewege den Bagger mit
einem Finger. Ich glaube dass nur wirkliche Profis den Vorteil dieses Gerätes sofort verstehen. Genau wie mit einem Computer. Warum soll ich EUR 2500,-- dafür ausgeben, wenn ich das gleiche mit einem Schreibblock und einem Taschenrechner hinbekomme.... Ich kenne Geschäftsleute, die heute noch mit einem Kugelschreiber arbeiten. Und die sind glücklich. Aber die, die den Computer nutzen, schaffen viel mehr und haben es auch leichter.

Wie bist Du zu diesem Gerät gekommen?

Durch Zufall—--Ich habe bei der Firma Innotek schon oft gefordert, dass wir auch eine Möglichkeit brauchen, den Hund auch aus der Entfernungzu bestätigen. Und ich wurde immer ausgelacht. Sie sagten, wir brauchen keinen Ball, wir brauchen „low stimullation“ . Vor einem Monat rief mich dann der Chef vom Innotek an, und erzählte mir, dass er Kontakt mit Wayne Curry hatte, der ein solches Gerät, das RRTS, erfunden hatte. Dieser hatte angefragt, ob Innotek an dem Gerät interessiert wäre. Innotek lehnte aber ab. Aber mich hat es sofort interessiert. So habe ich dann Kontakt zu Wayne Curry aufgenommen und wir haben uns zusammengesetzt und besprochen, wie wir die Sache ins Rollen bringen werden.

Warum wird Deiner Ansicht nach, dieses Gerät die Hundeausbildung in der Zukunft revolutionieren?

Das schönste ist - Du kannst die positive Verstärkung geben.
1. Du kannst es gezielt einsetzen, nur wenn der Hund macht was Du willst
2. für den Hund ist es eine operante Konditionierung, d.h. der Hund glaubt, dass er das Gerät
durch sein korrektes Verhalten steuert. Er weiß nicht, dass ich den Knopf drücke, genau wie bei der richtigen Handhabung mit dem E-Gerät.
3. Ein weiterer großer Vorteil ist das Timing.
4. Außerdem stören wir den Hund nicht durch zusätzliche Bewegungen. Sehr oft lernt der
Hund auf unsere Bewegungen zu reagieren, und wir brauchen für unseren Sport aktive Hunde.
Der Hund soll eine Aktivität zeigen und diese wird dann positiv verstärkt.

Welche Übungen kann man mit dem neuen Gerät trainieren?

Da gibt es so viele Möglichkeiten. Es gibt im Internet eine Seite, die einige Anwendungen
zeigt. Die Adresse ist: http://www.k-9rrts.com. Aber es ist hier auch wichtig, dass man seine
Phantasie einsetzt. Dann kann man fast alle Übungen damit trainieren. Aber natürlich muss
man auch wissen wie man diese Hilfe wieder abbaut. Das ist die Lernpyramide, die viele
Leute nicht verstehen dass man von helfen, über Hilfen abbauen zu ohne Helfen arbeiten
kommt.

Was sind die Vorteile gegenüber den herkömmlichen Ausbildungsmethoden?

Ich bestimme ob der Hund den Ball bekommt oder nicht. Dazu sagen die „Klicker-Leute“ das sie das gleiche mit dem Klicker machen. Sie bedenken dabei aber nicht, dass ich mit dem klicker keine Triebsteigerung hinbekommen, dass kann nur ein Triebziel. Und das schöne an diesem Gerät ist, es klickt auch.... Viele Leute, die mit dem Klicker arbeiten möchten, schaffen es nicht den Klicker mit Futter zu verknüpfen, hier funktioniert es automatisch, das Timing ist so gut, dass der Hund es schon nach 10 x verknüpft hat, dass das Klickern des Gerätes bedeutet, dass er den Ball bekommt. In der klassischen Methode, wenn der Ball am Boden liegt, oder am Galgen hängt, und er nicht korrekt arbeitet bestätigt sich der Hund trotzdem immer selbst, so kann er nicht das korrekte Verhalten erlernen.

Es scheint, dieses Gerät ist ein sicheres Trainingshilfsmittel, was kann passieren, wenn
man es nicht richtig benutzt?

Wenn ich das Gerät zum falschen Zeitpunkt auslöse verstärke ich das unerwünschte Verhalten, der Hund kann so die Übung nicht lernen, Timing ist sehr wichtig. Aber physisch kann ich den Hund nicht verletzen. Gibt es Nachteile in der Arbeit mit dem RRTS, wenn ja, wie kann man sie vermeiden? Es funktioniert nur mit Hunden, die Trieb zum Ball oder zum Kong haben, man kann kein Futter hineintun. Man sollte dem jungen Hund mehrere Triebziele anbieten, damit man eine Alternative hat, falls der Hund mal mit einem eine schlechte Erfahrung macht. Und es funktioniert nur, wenn ich die Methode der positiven Verstärkung verstanden habe.
Man muss diese Hilfe wieder abbauen.

Nenne uns bitte ein Beispiel, wie man eine Übung mit dem neuen Gerät trainieren kann.

Z.B. die Ablage: der Hund muss 10 min ruhig liegen. Wenn ich damit beginne, gebe ich das Kommando und der Hund bekommt sofort den Ball dann nach 2 Sekunden. Wichtig ist hier, dass ich wirklich die Ruhe bestätige und nicht irgendeine Bewegung des Hundes. Sonst lernt der Hund diese Bewegung bringt ihm zum Triebziel. Das geht sehr schnell. Nach einiger Zeit bekommt er den Ball nach 15 Sekunden, dann nach 30 Sekunden dann gehe ich ins Versteck und löse von dort aus. So wird die Übung nach einiger Zeit für den Hund eine interessante Übung. Der Hund fixiert Dich und vergisst darüber den anderen Hund zu beobachten. Voraus ist auch eine komplizierte Übung. Wie wir es bisher gemacht haben, lehrten wir dem Hund schnell nach oben zum Ball zu laufen. Und wenn wir das erreicht haben, benötigen wir sehr starken Zwang um den Hund ins Platz zu bringen. Die Folge davon ist, dass der Hund nicht mehr vorausläuft, weil er den Zwang vermeiden will. Mit dem RRTS kann ich steuern, wann er den Ball bekommt, entweder fürs schnelle hochlaufen oder direkt nachdem er Platz gemacht hat. Dann macht er gerne Platz, aber er läuft auch schnell Voraus, wenn ich das Gerät auslöse solange der Hund in voller Geschwindigkeit läuft. Wenn ich das immer wechsele wird er freudig laufen und sich auch schnell auf Kommando Platz machen.